Gründerinterview mit Christian

Serie: Unsere wunschlöserInnen

Wer sind wir eigentlich, und was passiert hier so? Einiges dazu gibt es schon auf unserer Teamseite. Aber das beantwortet nur, wer bei uns arbeitet, nicht, was unser Team so macht. Deswegen wollen wir euch ein paar genauere Einblicke geben. Dazu haben wir mit ein paar KollegInnen gesprochen. Heute stellen wir euch Christian vor.

Christian - Gründer und Managing Partner

Hi Christian, danke für deine Zeit!


In wenigen Sätzen, was hat dich (und die Anderen) zur wunschlösung gebracht?

Ich hatte irgendwie schon immer den Wunsch, Dinge zu verändern und etwas Eigenes aufzubauen. Nicht als One-Man-Show, sondern mit einem Team. Das hat schon in der Schule begonnen. Erst mit einer Schülerzeitung, die Simon und ich mit Freunden neu aufgelegt haben, und später mit einem Schüler-Café. Das gemeinsame Arbeiten in Teams hat schon damals einfach Spaß gemacht.

Während des Studiums haben Simon und ich an einer weiteren Idee getüftelt. Da ging es um den Verkauf von Fotos und Prints auf der eigenen Website oder in Foren. Heute würde man Drop Shipping oder vielleicht “Picture as a Service” sagen. Das war ein Problem, das ich selber hatte, weil ich mein Studium mit Fotografie finanziert habe. Aber im Endeffekt haben wir uns entschieden, doch fertig zu studieren.

Ich bin dann in einer studentischen Unternehmensberatung gelandet. Nach ein paar Projekten wurde ich in den Vorstand gewählt und habe den Laden gemeinsam mit einem Freund etwas “aufgemischt”. Das war im Nachhinein betrachtet einfach eine super Chance, Fehler zu machen und (Führungs-)Erfahrung zu sammeln. Die Vereinsarbeit lief komplett ehrenamtlich - nur die externen Projekte wurden bezahlt. Das hieß dann eben auch, dass “Geld” als Motivator für die KommilitonInnen flach fiel - also mussten wir lernen, die 30-50 aktiven Mitglieder anders bei Laune zu halten. Neben der ehrenamtlichen Arbeit im und am Verein haben wir für verschiedene kleine und große Firmen bezahlte Beratungs-, IT- und Umsetzungsprojekte gemacht.

Über eine weitere Station im Dachverband der deutschen studentischen Unternehmensberatungen bin ich dann zu ”Schenke eine Ziege” gekommen. Das ist ein gemeinnütziger deutsch-ugandischer Verein, der in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Dort waren die Themen bunt gemischt: Strategiearbeit, Prozessoptimierung, Marketing, Presse und natürlich Fundraising. In den 10 Jahren, die ich dabei war, haben wir ungefähr 1,2 Mio Euro gesammelt - vor allem bei Privatspendern, die über einen eigenen Online-Spenden-Shop spenden konnten und sich dann eine (Geschenk-)Urkunde runterladen konnten. Mit den Spenden wurde in Uganda eine Farm aufgebaut, die Familien mit Ziegen versorgt. Auch eine Krankenstation und eine Schule sind so entstanden. Wir waren echt ein eingeschworenes Team - eigentlich mehr eine Art zweite Familie.

Die Idee, mit Simon mal ein Startup zu gründen, war parallel aber immer da. Das hatten wir uns schon auf dem Schulhof geschworen. Auch wenn es noch ein paar Jahre gedauert hat, wir an verschiedenen Orten verschiedene Dinge studiert haben und ich dann erst mal nach Frankfurt in die Unternehmensberatung gegangen bin.

Simon hatte im Studium inzwischen Thomas kennengelernt. Und ich über “Schenke eine Ziege” Carl-Gerold - unseren “Silberrücken”. Mit einigen Unterstützern ging es dann 2015 los mit der wunschlösung. Aus dem Wohnzimmer raus, wenn man so will.

Was ist dein Arbeitsbereich bei uns?

Wir haben in der Geschäftsführung verschiedene Themenschwerpunkte unter uns verteilt. Ich komme ja ursprünglich aus dem Consulting und habe viel Erfahrung in den Bereichen Innovation, Prozessoptimierung und -design, Business Models usw. gesammelt. Es ging immer darum, mit Unternehmen genau das zu erarbeiten, was ihnen bzw. ihren KundInnen den meisten Nutzen bringt. Deswegen sind Strategie, Beratung, Produktentwicklung und Partner-Management auch meine wichtigsten Aufgabenbereiche bei der wunschlösung.

Im Marketing liegt mein Fokus eher darauf, den Fit zur Strategie und der Positionierung sicherzustellen. Neben strukturellen Themen z.B. bei unserer Website, bin ich bei der Content-Planung involviert und schreibe selbst ausgewählte Expertenbeiträge im business-nahen Bereich rund um Marktplätze, Ökosysteme und Plattformen.

Dann liegt noch der Backoffice-Bereich in meiner Verantwortung. Also alles rund um Orga-, Finance- und Legal-Themen. Generell hält mir aber unser Business-Development- und Backoffice-Team bei vielen Dingen den Rücken frei - da geht es also für mich eher um die Orchestrierung.

Und das Thema kontinuierliche Verbesserung unserer Prozesse und Produkte liegt mir als alter “Lean Six Sigma”-Berater natürlich schwer am Herzen. Es gibt immer etwas zu optimieren.


Wolltest du schon mal in einen anderen Bereich reinschnuppern? (Konntest du?)

Klare Antwort. Ja! Ich finde es jedes Mal irre faszinierend und enorm motivierend, in neue Themen einzutauchen und Erfahrungen aus anderen Bereichen zu übertragen. Das fand ich in der Beratung schon spannend. Es ist glaube ich auch einer der Gründe, warum mir das gemeinsame Suchen mit Kunden nach der - für sie - besten Lösung so viel Spaß macht. Weil es eben nicht darum geht, jemandem irgendeine Standardlösung “aus dem Regal” andrehen zu müssen - egal ob sie passt oder nicht.

Außerdem komme ich ja eher aus der Ingenieur- und Prozesswelt, bin also selbst kein Programmierer. Auch wenn ich im und seit dem Studium viel im Bereich Wirtschaftsinformatik, Business Intelligence und Informations-Management gemacht habe, bringe ich neben meiner Liebe für Kundenzentrierung und gute Prozesse vor allem Strukturierungs- und Innovationserfahrung mit.

Deswegen finde ich es spannend zu sehen, wie Ideen und Konzepte zu Code werden. Auch wenn es gut und wichtig ist, dass ich da nicht bis auf Grasnarbenebene drin stecke - denn dann würde für manche Themen der Überblick fehlen.

Außerdem bringt es meine Rolle mit, dass ich viel auf Konferenzen, Tagungen und Events rumspringe. Auch das ist sehr, sehr inspirierend, weil ich branchenübergreifend viele top-aktuelle Ansätze sehe, die ich dann im Kopf auseinandernehmen und wieder neu zusammensetzen kann. Das Ergebnis landet häufig ganz automatisch in Workshops mit Kunden und Partnern. So entstehen dann gemeinsam neue Ideen und Features für Plattformen, Portale, Shops oder Marktplätze.


Erinnerst du dich noch an deine ersten Tage hier? Wie war das so?

Irgendwie gibt es in meiner Erinnerung nicht “den” ersten Tag - eher mehrere. Ich hoffe, das wird auch in Zukunft so sein. “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”, heißt es bei Hermann Hesse. Jetzt wird es direkt noch lyrisch hier (lacht).

Klar, die ersten Gründer-Sessions auf irgendwelchen Couches merkt man sich natürlich. Oder dass es eine “richtig gute” Idee ist, mit vielen Leuten nach einem Namen für “das Baby” zu suchen. Aber auch unsere ersten Büros in Jena und Leipzig werde ich nicht so schnell vergessen.

Außerdem bringen neue wunschlöserInnen immer eine Veränderung und verändern die Stimmung und Kultur im Team.


Wie sieht denn ein typischer Tag in deinem Leben aus?

Wie sagt man? Ich bin ein Frühaufsteher, gefangen im Körper eines Spätaufstehers.
Es kostet mich also jeden Morgen echt Überwindung, wenn der Lichtwecker mit mir um die Wette strahlt. Der englische Philosoph und Ökonom Richard Whately schrieb mal: “Lose an hour in the morning, and you will spend all day looking for it.” Ich finde, er hat leider Recht. Die magische Ruhe am Morgen hilft mir einfach beim Strukturieren und konzentrierten Wegarbeiten.

Außerdem nehme ich mir mindestens jeden zweiten Tag Zeit für eine “Presseschau” zu aktuellen Entwicklungen rund um Online-Plattformen, Marktplätze, Ökosysteme, E-Commerce oder Digitalisierung im Allgemeinen. Auch LinkedIn ist da für den Austausch mit anderen ExpertInnen unverzichtbar.

Um 10 Uhr geht es dann ins Daily (Standup Meeting) unseres Business Development Teams. Dort stimmen wir uns ab, was am Vortag alles gelaufen ist, was jeder für den Tag auf dem Radar hat, ob es Dinge gibt, die wir umpriorisieren und natürlich, ob jemand bei einem Thema Hilfe oder Feedback braucht. Es folgt meist ein Block für weitere interne Abstimmungen oder (Video-)Calls mit Kunden und Partnern.

Zum Mittagessen treffen wir uns üblicherweise im Team beim sogenannten “Huddle” (gemeinsames Video-Mittagessen mit einem Thema des Tages), entweder aus der Küche in Jena oder von unserer geliebten Sonnenterrasse.

Am Nachmittag und in den Abendstunden versuche ich dann möglichst viel von der Prio-Liste in “Deep-Work”-Blöcken abzuarbeiten.
Aber manchmal kommt natürlich auch einfach die Realität um die Ecke und dann läuft alles anders. Das macht es aber auch so abwechslungsreich und spannend.


Wenn du mit der Gründung noch mal beginnen würdest, würdest du es genauso machen?

Um Gottes Willen! (Lacht). Nein, ich kenn auch keine UnternehmerInnen, die es genauso nochmal machen würden. Auf der Reise lernst du ja extrem viel dazu. Retrospektiv fällt mir auf, wie sehr wir durch das Bildungssystem zu einer bestimmten Denkweise erzogen wurden, die häufig nicht besonders praxisnah ist. Klar, Vorlesungen zu Unternehmensstrategie und Leadership gab es, aber da dreht sich viel um große Unternehmen und die Perspektive von ManagerInnen. Niemand bringt dir bei, wie die Realität von UnternehmerInnen aussieht. Nicht mal, dass es einen bedeutenden Unterschied zwischen den Rollen von UnternehmerInnen und ManagerInnen gibt. Was sind eigentlich meine Wünsche und Träume? Wie kann ich sie mit unserer Vision zusammenbringen? Wie wähle ich passende MitarbeiterInnen aus? Wie motiviere ich sie? Wie führe ich? Wie gebe ich ab? Was für Delegationsstufen gibt es? Ich hab mir ja schon echt Mühe gegeben früh anzufangen, Praxiserfahrungen zu sammeln, aber manche Sachen wären im Studium wirklich hilfreich gewesen - und zwar nicht nur für zukünftige UnternehmerInnen.

Heute tauschen wir uns viel in Communities mit anderen UnternehmerInnen aus und lernen so voneinander. Und wir versuchen, Wissen und Erfahrungen an junge GründerInnen weiterzugeben. Gemeinsam mit einigen anderen MentorInnen haben wir die Startup Community Thüringen gegründet und treffen uns einmal im Monat irgendwo in Thüringen. Bei den Meetups geben wir Tipps weiter, tauschen uns aus oder diskutieren konkrete Projekte und Ideen.

Wen das Thema “Learnings” näher interessiert, dem erzähle ich gern persönlich auch noch mehr dazu, aber das würde hier den Rahmen sprengen.


Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich lasse (Welt-)Politik, Klima und so weiter jetzt mal außen vor - das wird sonst zu viel.

Im Kleinen ist mir wichtig, dass es allen im Team gut geht. Erstens, weil wir jeden Einzelnen und jede Einzelne wirklich mögen und uns unser Team wirklich am Herzen liegt. Und zweitens ist ja auch klar, dass ein Team, dem es nicht gut geht, weniger Freude beim Arbeiten hat und dass sich das natürlich langfristig auch auf die Qualität auswirkt. An individuellen Herausforderungen mangelt es in der heutigen Zeit ja nun nicht gerade - #VUCA-World. Heißt für uns, dass wir fortwährend gute und flexible Lösungen finden müssen. Das fängt bei der berühmten Home Office- vs. Büro-Diskussion an und geht bis hin zur Frage, wie wir als Team und individuell mit Stress umgehen. Ich persönlich glaube nicht an one-fits-all-Lösungen. Menschen sind einfach sehr verschieden. Vom Charakter angefangen bis hin zur Erfahrung im Umgang mit Stress und Problemen. Wir versuchen da im Austausch miteinander individuelle und flexible Lösungen zu finden.

Auf der Business-Seite möchte ich natürlich unsere Produktentwicklungsthemen weiter voranbringen. Wir wollen mehr Unternehmen unterstützen, für die eine Standardlösung nicht ausreicht. Sei es ein besonderer Marktplatz, ein Portal oder ein spezieller Online-Shop.
Das gemeinsam mit unserem Partnernetzwerk voranzutreiben, macht mir enorm Spaß. Wir machen das bewusst mit anderen ExpertInnen zusammen, weil wir glauben, dass für unsere Kunden und deren NutzerInnen so die besseren Lösungen entstehen - wenn sich SpezialistInnen konzertiert um die einzelnen Bereiche kümmern. Sei es (Online-)Marketing, Ökosystem-Design, Consulting, Logistik - oder wie in unserem Fall Spezial-Software. Die “Wir können alles!”-Heilsversprechen irgendwelcher VertrieblerInnen haben wir einfach zu oft scheitern sehen.


Und zum Abschluss, warum die wunschlösung und kein anderes Unternehmen?

Ich versteh die Frage nicht (lacht).

Im Ernst: Ich durfte in sehr viele Unternehmen reinschauen. Nirgendwo ist es perfekt - auch bei uns nicht. Aber ich denke, wir haben die Möglichkeit, Dinge schnell zu ändern, die uns stören oder die man besser machen kann.

Und ich glaube, dass jede und jeder bei uns dazu beitragen kann, dass enorm gute Online-Plattformen entstehen, die wiederum Menschen dabei helfen, neue Geschäftsmodelle aufzubauen oder die tägliche Arbeit zu erleichtern.

Ich finde das enorm spannend und mich motiviert das einfach sehr.

Vielen Dank, Christian!

Ihr wollt gern mehr wissen?
Erfahrt hier, wie es zur Gründung der wunschlösung kam, oder schaut auf unserer Teamseite vorbei. In unserem Blog könnt ihr außerdem andere wunschlöserInnen kennenlernen.


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