Diversity, Tech · 08.03.2021

Frauen in der IT — Die Geschichte der Grace Hopper

Der internationale Frauentag

Seit einhundert Jahren wird der internationale Frauentag, auch Weltfrauentag, Frauentag oder Frauenkampftag genannt, begangen. Jedes Jahr wird damit für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung von Frauen weltweit demonstriert. Dieses Jahr steht der Tag unter dem Motto "Mehr Gewerkschaft, mehr Gleichstellung, Mehr denn je.“

Im Rahmen dieses Feiertages möchten wir euch eine sehr wichtige Person in der amerikanischen Geschichte und der internationalen Technologieentwicklung vorstellen – Grace Hopper.

Wer war Grace Hopper?

In seinem Aufsatz "Wie Programmieren eine Männerdomäne wurde" schreibt der amerikanische Historiker Nathan Ensmenger: "Programmieren war anfangs als Arbeit für Bürokräfte mit niedrigem Status gedacht - also für Frauen. Die Disziplin wurde erst nach und nach bewusst in ein wissenschaftliches, männliches Fach mit hohem Status transformiert". Eine dieser Pionierinnen aus den Anfängen der Informatik war Grace Hopper.

Sie wurde am 9. Dezember 1906 in New York City geboren und promovierte 1934 an der Yale University. Im Anschluss folgte eine lange, von Preisen gekrönte Karriere. Grace Hopper wurde insgesamt mit über 90 Auszeichnungen bedacht, darunter mehr als 40 Ehrendoktorwürden. Sie erhielt 1969 den Man of the Year Award der Data Processing Management Association und als eine der ersten Frauen die National Medal of Technology. Grace Hopper war die erste Frau überhaupt, die von der British Computer Society zum Distinguished Fellow ernannt wurde, 2016 verlieh ihr Präsident Barack Obama posthum die Presidential Medal of Freedom.

Der akademische Weg einer Pionierin
Nach ihrem Studienabschluss und während ihrer Zeit bei der Marine arbeitete Hopper an der Universität Harvard, wo sie mit dem 1944 fertiggestellten Computer Mark I mathematische Berechnungen durchführte. Das war der erste vollelektronische Rechner der Welt. Zudem leitete sie den Aufbau des Folgemodells, Mark II. Ihre Karriere umfasste zahlreiche hochrangige Positionen, unter anderem als Forscherin im Computerlabor der Harvard-Universität. Bis 1966 war sie Teil der Reserve der US-Marine, dann ging sie in den Ruhestand – für ein Jahr. 1967 wurde sie von der US-Marine mit 61 Jahren wieder in den aktiven Dienst versetzt, wo sie für weitere 19 Jahre tätig war.

Lieutenant (j.g.) Grace Hopper und US Navy Specialist I, Third Class, Durward White bei der Betrachtung des Mark I Sequenzmechanismus, 1944. Grace Murray Hopper Papers, Archives Center, National Museum of American History, AC0324-0000036. © Smithsonian Institution
Die Errungenschaften der Grace Hopper

Hopper war maßgeblich beteiligt am Fortschritt der Technisierung und der Entwicklung des modernen Coding-Konzepts. Sie prägte Projekte wie den Mark I, Mark II und UNIVAC. Eine ihrer beeindruckendsten Errungenschaften war die Entwicklung des ersten Compilers (A-0) 1952 und die daraus folgende Möglichkeit, verständliche Sprache in Computersprache umzuwandeln. Mit der Programmiersprache FLOW-MATIC und dem dazugehörigen Compiler (1957) leistete sie außerdem entscheidende Vorarbeiten zur Entwicklung der Programmiersprache COBOL.

Grace Hopper und das Debugging
Während Hoppers Arbeiten am Mark II kam es 1947 zum Ausfall des Relais eines Computers. Ein Techniker aus Hoppers Team fand eine Motte, die in die Maschine eingedrungen war. Nachdem das Insekt entfernt wurde, klebte Hopper die Motte in ihr Logbuch, ergänzt durch den Satz: „First actual case of bug being found.“, also „Das erste Mal, dass tatsächlich ein Bug gefunden wurde.“ Seitdem wird ihr häufig die Erfindung des Begriffes „Debugging“ zugeschrieben. Der Begriff „Bug“ in der Verwendung für Fehler war aber gar nicht neu. Er wurde von Ingenieuren bereits im vorangegangenen Jahrhundert verwendet. Trotzdem waren Hoppers Worte prägend für die Begriffsnutzung in der Informatik.

Frauen in der IT – Vergessene Pioniere?

Auch der Eniac, Nachfolger des Mark I, wurde unter anderem von sechs Frauen programmiert. Auf Fotos sind Kathleen McNulty, Frances Bilas, Elizabeth Jean Jennings, Frances Elizabeth Snyder, Ruth Lichterman und Marilyn Wescoff neben der großen Maschine abgebildet. Trotzdem wurden im Februar 1946 bei der offiziellen Vorstellung des Eniac nur die an dem Projekt beteiligten Männer gewürdigt. Erst nachdem Jahre später Kathy Kleiman, Doktorandin der Universität Harvard, näher recherchierte, wurde die Geschichte wieder aufgerollt. Erfolgreich, wie sich zeigte. Fünfzig Jahre später wurden im Juni 1997 die Eniac-Programmiererinnen bei einem Festakt im Silicon Valley ausgezeichnet. Alle sechs Frauen wurden in die WITI Hall of Fame aufgenommen.

Abschließende Gedanken

In der heutigen Zeit wird Programmieren mehr und mehr als Männerjob angesehen. Dabei waren es anfangs vor allem die Frauen, die entscheidende Fortschritte auf dem Gebiet der Informationstechnologie machten. Software-Programmierung muss wieder zugänglicher für Frauen gemacht werden, nicht zuletzt dadurch, dass ihre Geschichten erzählt werden.

Weitere Informationen

Das Smithsonian’s Computer History Project interviewte Grace Hopper in den späten 1960ern und zeitigen 1970ern. 1972 spendete Hopper Paper und verschiedene Gegenstände mit Verbindung zu ihrer Arbeit mit Computern an das Museum. Weitere Informationen dazu und zu Hopper selbst findet ihr hier. Das Logbuch mit dem „Bug“ darin könnt ihr hier online ansehen.


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